Menschen mit einer Angsterkrankung (Angststörung) leiden unter Ängsten, die unangebracht, unrealistisch oder
übertrieben sind.
Es geht hier nicht um Ängste vor tatsächlichen Bedrohungen wie Unfällen, Krieg, Terrorismus,
Krankheit, Enttäuschungen in der Liebe oder Arbeitsplatzverlust, sondern um Ängste vor Dingen, vor denen
andere Menschen normalerweise keine Angst haben.
Zum Beispiel kann man Angst vor Spinnen, Mäusen, Fahrstühlen u.a. haben
- alles Dinge, die nicht gefährlich sind. Manche Menschen haben
• plötzliche, unerwartete Panikanfälle
(Panikstörung
Panikstörung)
Patienten mit Panikattacken können aus heiterem
Himmel plötzliche Angstzustände bekommen. Dabei leiden sie unter folgenden Symptomen:
• Atemnot
• Benommenheit
• Gefühl der Unsicherheit, Gefühl in Ohnmacht zu fallen, weiche Knie, Schwindel
• Herzklopfen oder unregelmäßiger Herzschlag
• Zittern oder Beben
• Schwitzen
• Erstickungsgefühle, Engegefühl im Hals
• Übelkeit, Bauchbeschwerden
• Entfremdungsgefühle (Gefühle der Unwirklichkeit, Gefühle, nicht da zu sein)
• Hitzewallungen oder Kälteschauer
• Schmerzen, Druck oder Enge in der Brust
• Furcht, zu sterben
• Angst, die Kontrolle zu verlieren
• Angst, wahnsinnig zu werden
• Taubheits- oder Kribbelgefühle
Diese Panikattacken treten plötzlich auf und nehmend während ca.
zehn Minuten an Stärke zu. Sie dauern ca. 30 Minuten im Durchschnitt. Sie können völlig
überraschend entstehen, d. h. dass man sich z. B. gerade in Ruhe befindet (vor dem Fernseher);
sie können sie aber auch in bestimmten Situationen ausgelöst werden, z. B. in Menschenmengen.
Zunächst fängt eine Panikattacke mit einigen wenigen Symptomen an, die den Patienten weiter beunruhigen,
so dass er noch weitere Angstsymptome bekommt und sich die Angst sich schließlich zu einer vollständigen
Panikattacke steigert.
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• Angst in engen Räumen
("Agoraphobie
Agoraphobie)
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Bei Agoraphobie (oder Platzangst) hat der Betroffene in bestimmten Situationen Angst
und meidet sie. Er fürchtet, in dieser Situation eine Panikattacke,
Schwindelgefühle oder Herzbeschwerden zu bekommen oder in Ohnmacht zu fallen.
Meist handelt es sich dabei um Situationen, in denen man mit einer Panikattacke peinliches
Aufsehen erregen würde.
• Menschenmengen
• öffentliche Plätze
• Reisen über weite Entfernungen von zu Hause
• in einer Schlange stehen
• Fahrstuhl, Bus oder Auto zu fahren
• im Flugzeug fliegen
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• lang anhaltende Angst, ohne zu wissen, wovor man Angst hat
("generalisierte Angststörung
generalisierte Angststörung)
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Menschen mit einer generalisierten Angststörung leiden unter folgenden Symptomen:
Meist wissen die Patienten nicht, wovor sie eigentlich Angst haben.
Die Angstsymptome können manchmal stunden- oder tagelang anhalten.
Menschen mit einer generalisierten Angststörung machen sich häufig Sorgen,
die nicht immer einen echten Grund haben oder übertrieben sind.
Zum Beispiel befürchten sie ständig, dass ihren nächsten Angehörigen,
den Kindern oder dem Ehepartner, ein Unfall oder etwas Ähnliches zustoßen
könnte. Wenn sie auch selber wissen, dass diese Ängste übertrieben
sind, werden sie von ihnen manchmal übermannt.
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• Angst vor abwertender Beurteilung durch andere Menschen
("soziale Phobie
soziale Phobie")
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Menschen mit einer Sozialphobie haben Angst in Situationen, in denen sie sich von ihren Mitmenschen kritisch betrachtet oder beobachtet fühlen:
• einen Fremden anzusprechen
• zu einer Behörde oder zu einem Arzt zu gehen
• mit einem Vorgesetzten zu sprechen
• Angst vor Prüfungen
• Angst vor Situationen, in denen alle Blicke auf einen gerichtet sind, z. B. bei einer Rede, dem Aufsagen eines Gedichtes oder Singen eines Liedes vor Publikum
• eine Frau/einen Mann kennenzulernen
• im Beisein anderer Menschen zu telefonieren
• sich zu einer Verabredung treffen
• sich in einem Streitgespräch durchzusetzen
• etwas zu schreiben, während andere zusehen
• in einem Restaurant zu essen usw.
• sich in einer Unterrichtsstunde zu melden oder etwas an die Tafel zu schreiben
Solche Situationen werden von den Betroffenen häufig vermieden. Die Betroffenen fühlen sich ständig von anderen beobachtet, negativ beurteilt und meinen, andere könnten sich über ihr Aussehen, ihre Kleidung, ihr Verhalten oder ihre Sprechweise belustigen. Folgende körperliche Symptome können hierbei auftreten:
• Erröten
• Händezittern
• Übelkeit
• Harndrang
Wo ist die Grenze zwischen sozialer Phobie und Schüchternheit?
Wenn Sie eine oder mehr der folgenden Fragen mit „ja“ beantworten, könnten bei Ihnen Symptome einer sozialen Phobie vorliegen, die über „normale Schüchternheit“ hinausgehen:
• Hätten Sie Angst, mit Ihrem Chef (Vorgesetzten, Lehrer usw.) zu sprechen?
• Haben Sie extreme Angst vor Prüfungen, obwohl Ihr Wissen eigentlich ausreichend ist, um die Prüfung zu bestehen? Vermeiden Sie Restaurants, weil es Ihnen unangenehm ist, beim Essen oder Trinken beobachtet zu werden?
• Hätten Sie Angst, dass Ihnen jemand Ihre Angst bei persönlichen Gesprächen anmerken könnte, weil Sie erröten oder an den Händen schwitzen?
• Machen Sie sich manchmal schon tagelang vorher Gedanken über einen Gang zu einer Behörde?
• Hätten Sie Angst, in eine Praxis/Klinik zu kommen und über Ihr Problem zu sprechen?
• Hätten Sie Angst, vor mehreren Menschen eine Ansprache zu halten, einen Witz zu erzählen oder ein Lied zu singen?
• Hätten Sie Angst, einen Mann (bzw. eine Frau) anzusprechen, den (die) Sie gern kennen lernen möchten?
• Bereitet es Ihnen Probleme, einem Gesprächspartner direkt in die Augen zu sehen?
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• Angst vor einzelnen Dingen, wie vor Spritzen, Hunden o.ä.
("spezifische/einfache Phobie
spezifische/einfache Phobie")
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Patienten mit einer spezifischen Phobie haben nicht "vor allem und jedem"
Angst, sondern Furcht vor einzelnen Situationen oder Objekten, wie z. B. vor:
• Höhen
• mit dem Flugzeug fliegen
• Anblick von Blut oder Verletzungen
• Tieren (z.B. Spinnen, Insekten, Hunden)
In vielen Fällen wird die angstauslösende Situation gemieden, wodurch
die Phobie der Umwelt verborgen bleibt. Erst wenn die Angst oder das Vermeidungsverhalten
das normale Leben erheblich beeinträchtigt, kann von einer Krankheit gesprochen werden.
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• nicht kontrollierbare Handlungen, z.B. Waschen, Ordnen oder Grübeln
("Zwangsstörung
Zwangsstörung")
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Der Betroffene leidet unter Zwangsgedanken oder
Zwangshandlungen.
Zwangsgedanken sind sich ständig wiederholende,
als unerträglich und sinnlos empfundene Gedanken, die man zu ignorieren oder zu
unterdrücken versucht: eine Mutter, die ihr Kind über alles liebt, wird von dem Gedanken
gequält, das Kind in der Wiege zu erwürgen (solche Gedanken werden allerdings nie in die
Tat umgesetzt).
Beispiele für Zwangshandlungen sind sich z. B.
mehr als 50 mal am Tag die Hände zu waschen (Waschzwang), Bleistifte der Länge nach penibel
zu ordnen (Ordnungszwang), Lichtschalter und Herdplatten z. B. fünf mal zu kontrollieren
(Kontrollzwang). Diese Zwangshandlungen sind nicht selten so zeitraubend, dass sie zu erheblichen
beruflichen Schwierigkeiten führen. Wenn der Patient willentlich versucht, von der Zwangshandlung
Abstand zu nehmen, leidet er unter unerträglichen Ekel- oder Angstgefühlen.
Die Krankheit gehört zu den schwereren Angststörungen, die oft eine intensive Behandlung
benötigen.
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