Forensische Psychiatrie und Psychotherapie

Die Forensische Psychiatrie und Psychotherapie am Ludwig-Meyer-Institut (www.forensik-goettingen.de) beschäftigt sich mit dem Grenzgebiet zwischen Rechtswissenschaften, Neurowissenschaften, Kriminologie, Psychologie, Psychiatrie und Psychotherapie. In der Abteilung werden juristische Fragestellungen auf allen Rechtsgebieten zu neuropsychiatrischen Beeinträchtigungen beantwortet.

Bislang bundesweit einzigartig ist die Schwerpunktprofessur Forensische Psychiatrie und Psychotherapie mit Leitungsaufgaben der Asklepios-Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie verbunden, in der psychisch kranke Rechtsbrecher gemäß § 63 StGB behandelt werden.

Forschung

Zusätzlich zur Evaluation psychiatrischer Expertisen zu juristischen Fragestellungen erforscht die Abteilung die neurobiologischen Grundlagen forensisch-relevanten Verhaltens.

Mit Hilfe aktueller neurowissenschaftlicher Methoden werden hirnstrukturelle und hirnfunktionelle Veränderungen bei forensisch-relevantem Verhalten erforscht und die Aussagekraft neurowissenschaftlicher Befunde für die Beantwortung juristischer Fragestellungen wissenschaftlich evaluiert.

Projekte

Aufmerksamkeitsprozesse bei pädosexuellem Verhalten

Die Untersuchung von Aufmerksamkeitsprozessen auf sexuell bevorzugte Reize im Vergleich zu sexuell nicht bevorzugten Reizen stellt in Kombination mit der Registrierung von Blickbewegungen einen vielversprechenden Ansatz als neue diagnostische Methode dar. Ziel dieser Studie ist es, drei in der kognitiven Psychologie bewährte Ansätze hinsichtlich einer validen Erfassung sexuellen Interesses bei Probanden mit einer pädosexuellen Störung zu vergleichen. Außerdem soll der Einfluss des Sexualhormons Testosteron auf die kognitiven Fähigkeiten und das sexuelle Interesse bei pädosexuellen Probanden untersucht werden.

fMRT und Eyetracking

In einem Pilotprojekt wird erstmals die Methodik der Blickregistrierung (eyetracking) mit der Methodik der funktionellen Magnetresonanztomographie bei der Untersuchung pädosexueller Straftäter kombiniert. Ziel des Projektes ist die Erprobung der Blickregistrierung als neue Methode zur objektiven Erfassung devianter sexueller Präferenzen bei pädosexuellen Straftätern. Zudem soll die Fragestellung untersucht werden, ob bestimmte Gehirnregionen beim Betrachten einzelner Aspekte eines störungsrelevanten sexuellen Stimulus spezifisch aktivieren und sich hinsichtlich dieser spezifischen Gehirnaktivität Unterschiede zwischen pädophilen und nicht-pädophilen Probanden zeigen.

Untersuchung der false positive Gefährlichkeitsprognosen

Psychiatrische Gutachten zur nachträglichen Sicherungsverwahrung mit ungünstiger Gefährlichkeitsprognose werden hinsichtlich der angewandten Prognosekriterien analysiert und mit dem tatsächlichen Verlauf validiert. Als Stichprobengruppe dienen die als gefährlich eingeschätzten Probanden, bei denen aus juristischen Gründen die nachträgliche Sicherungsverwahrung nicht angeordnet wurde.

Rückfallprognose

Projektiert ist die Evaluation der relevanten Kriterien für die forensisch-psychiatrische Rückfallprognose. Die Untersuchung fokussiert auf die Prüfung der prognostischen Valenz neurobiologischer Faktoren.

ViRAC - Virtual Environments for the Risk Assessment of Child Abusers  

(http://forensik-goettingen.de/forschung/forschungsprojekte/virtuelle-realitaet/)

Sexueller Kindesmissbrauch stellt eines der schwerwiegendsten Ereignisse für die gesunde Entwicklung eines Kindes dar. Eine der besten Möglichkeiten, weitere Übergriffe durch bereits verurteilte Straftäter zu verhindern, besteht in einer validen Erfassung des Rückfallrisikos. Aktuelle Instrumente zur Einschätzung des Rückfallrisikos von Kindesmissbrauchstätern erfassen statische und dynamische Risikofaktoren. Diese stützen sich auch neben Aktendokumente auf Selbstauskünfte, die jedoch insbesondere im forensischen Kontext nur bedingt valide sind. Eine direkte Beobachtung von Kindesmissbrauchstätern in Risikosituationen würde die Erhebung valider Informationen erlauben, verbietet sich jedoch aufgrund der damit einhergehenden Gefährdung von Kindern. Eine Möglichkeit, Kindesmissbrauchstäter mit Risikosituationen – ohne Gefährdung Dritter – zu konfrontieren bietet der Einsatz realitätsnaher virtueller Umgebungen. Die Verwendung virtueller Risikoszenarien ist im forensischen Kontext neuartig. Weltweit erstmals werden in diesem Projekt virtuelle realitätsnahe Risikosituationen für Kindesmissbrauchstäter entwickelt und deren Nutzen für intramurale Lockerungsentscheidungen experimentell untersucht. Im Rahmen eines Prä-Post- Designs wird der Informationszugewinn für Risikoprognosen durch eine virtuelle Exposition mit Risikosituationen überprüft. ViRAC ermöglicht so zum ersten Mal die direkte Verhaltensbeobachtung von Kindesmissbrauchstätern in Risikosituationen ohne Gefährdung der Öffentlichkeit.

Das Projekt wird durch Drittmittel des Forschungsförderungsprogramms der Medizinischen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen gefördert.

Prävention sexuellen Missbrauchs (PsM)

Seit dem 1. Juli 2011 besteht in Göttingen ein ambulantes Therapieangebot für Personen mit einem sexuellen Interesse an Kindern und/oder Jugendlichen. Das Projekt wird gefördert vom Land Niedersachsen, dem Asklepios Fachklinikum Göttingen und der Universitätsmedizin Göttingen (http://www.forensik-goettingen.de/praevention-sexuellen-missbrauchs/wir-sind/)

 

Kooperationen

Publikationen

Ansprechpartner
Müller
Prof. Dr. Jürgen Müller
Telefon:
0551-402-2102
E-Mail:
ju.mueller@asklepios.com
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