W2-Professur Forensische Psychiatrie und Psychotherapie

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Aktuelle Projekte

1. Forschungsprojekt: Reform der Unterbringung in einer Entziehungsanstalt nach Paragraph 64 StGB

Leiter

Ziele / Hintergrund

Das deutsche Maßregelrecht wurde in den letzten Jahren grundlegend reformiert: Nun steht als letzte der stationären Maßregel auch die Unterbringung in der Entziehungsanstalt nach § 64 StGB vor einem tiefgreifenden Veränderungsprozess. Und dies aus gutem Grund:

Die Zahl der Patienten, die in einer Entziehungsanstalt auf Grundlage des § 64 StGB untergebracht werden, ist in den letzten Jahren erheblich angestiegen und steigt kontinuierlich weiter. Seit 1990 hat sich die Patientenzahl von 1000 auf 4000 Patienten im Jahr 2014 vervierfacht. Gegenwärtig sind etwa 4500 Patienten auf Grundlage des Paragraphen 64 StGB untergebracht.  Eine ebenfalls wachsende Anzahl von Patienten kann die Behandlung nicht erfolgreich abschließen. Vom Bundesverfassungsgericht bereits 1994 verankert und 2007 in den Gesetzestext aufgenommen darf die Maßregel nach § 64 StGB nur angeordnet werden, wenn eine hinreichend konkrete Aussicht auf Erfolg besteht. Die hiermit verbundene Erwartung hat sich nicht erfüllt. Inzwischen wird bundesweit jede zweite Behandlung (30 bis 70 Prozent) abgebrochen, aller sachverständig beratenen rechtlichen Erörterungen der Erfolgsaussicht im Gerichtssaal zum Trotz.  Die Patienten, bei denen die Therapie wegen Aussichtslosigkeit abgebrochen wurde, stellen eine besondere Risikoklientel dar: bei ihnen besteht nicht nur eine ungünstige Perspektive für Abstinenz, sondern auch für die Legalbewährung hat. Beinahe 90 % dieser Patienten werden binnen zweier Jahre erneut straffällig. Geeignete Behandlungskonzepte fehlen.
Doch die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt hat keineswegs nur Schattenseiten: Die Patienten, die die Therapie erfolgreich abschließen, profitieren langfristig von der Behandlung und werden deutlich seltener drogenrückfällig und begehen deutlich seltener kriminelle Handlungen. Für diese Patienten ist die Unterbringung nach § 64 StGB den anderen Betreuungsformen überlegen.  

Vor diesem Hintergrund besteht über die Notwendigkeit einer Veränderung überwiegend Einigkeit, die Art und konkrete Umgestaltung der Reform ist indes umstritten. Diejenigen Patienten, die die Therapie erfolgreich abschließen, profitieren langfristig von der Behandlung. Diejenigen, deren Behandlung wegen Aussichtslosigkeit abgebrochen wurde, bilden eine schlecht versorgte Risikoklientel. Alternative Behandlungsangebote könnten die Versorgung verbessern.

Publikationen

Müller, J.L. & Koller, M., Hrsg. (2020)   Reformansätze zur Unterbringung nach § 64 StGB. Der zweischneidige Erfolg der Unterbringung in einer Entziehungsanstalt, in: Forensische Psychiatrie im Dialog. Interdisziplinäre Impulse für Wissenschaft und Praxis. Hrsg. v. Koller,   Matthias / Müller, Jürgen L. / Nowara, Sabine / Spaniol, Margret

Müller, J.L.  (2019) Ansätze zur Reform der Unterbringung in einer Entziehungsanstalt, Forens Psychiatr Psychol Kriminol https://doi.org/10.1007/s11757-019-00542-7

Müller, J. L., Saimeh, N., Briken, P., Eucker, S., Hoffmann, K., Koller, M., ... Zeidler, R. (2018).  Standards für die Behandlung im Maßregelvollzug nach §§ 63 und 64 StGB. Forensische Psychiatrie, Psychologie, Kriminologie, 12(2), 93–125. https://doi.org/10.1007/s11757-017-0445-0 

 

2. Forschungsprojekt: Konsequenzen der Reform der Unterbringung in einem Psychiatrischen Krankenhaus nach Paragraph 63 StGB

Leiter

Ziele / Hintergrund

2016 trat die Novellierung des Rechts der Unterbringung im psychiatrischen Krankenhaus nach § 63 StGB in Kraft. Diese bindet die Fortdauer der Unterbringung an die zu erwartende Gefährlichkeit Zudem wurde die Frequenz externer Begutachtungen deutlich gesteigert. Es werden die Konsequenzen dieser und anderer rechtlicher Impulse auf Behandlung und Unterbringung erörtert.

Publikationen zu diesem Projekt

Müller, J., Saimeh, N., & Briken, P. (2018). Standards für die Behandlung im Maßregelvollzug nach §§ 63 und 64 StGB: Interdisziplinäre Task-Force der DGPPN. Berlin: Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft.

Müller, J. L., Saimeh, N., Briken, P., Eucker, S., Hoffmann, K., Koller, M., . . . Zeidler, R. (2017). Standards für die Behandlung im Maßregelvollzug nach §§ 63 und 64 StGB. Der Nervenarzt, 88(1), 1–29. https://doi.org/10.1007/s00115-017-0382-3

Müller, J. L., Saimeh, N., Briken, P., Eucker, S., Hoffmann, K., Koller, M., . . . Zeidler, R. (2018). Standards für die Behandlung im Maßregelvollzug nach §§ 63 und 64 StGB. Forensische Psychiatrie, Psychologie, Kriminologie, 12(2), 93–125. https://doi.org/10.1007/s11757-017-0445-0

 

3. Forschungsprojekt: Qualitätsstandards der forensisch psychiatrischen Begutachtung

Leiter

Ziele / Hintergrund

Die Bedeutung psychiatrischer Begutachtung im Zivil- sowie im Strafverfahren ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Es werden Qualitätsstandards ermittelt und die Umsetzung verfügbarer Standards geprüft. Dazu wurde eine Interdisziplinäre Task-Force zur Überarbeitung der Mindestanforderungen für Prognose-Gutachten gebildet. 

Publikationen zu diesem Projekt

Müller J. L., & Saimeh, N. (2018). Die Mindestanforderungen für Prognosegutachten: Herausforderungen an und Gründe für ein Update. Recht & Psychiatrie, 36(3), 145–149.

 

4. Forschungsprojekt: Prävention sexuellen Missbrauchs

PSMTeam

Ziele / Hintergrund

Seit dem 1. Juli 2011 besteht die Göttinger Ambulanz zur Prävention sexuellen Missbrauchs (PsM), die ein niedrigschwelliges therapeutisches Angebot für Personen mit einem sexuellen Interesse an Kindern und/oder Jugendlichen bereitstellt. Angesprochen werden Männer und Frauen, die sich von Kindern und / oder Jugendlichen sexuell angezogen fühlen, ihre Neigung aber nicht ausleben möchten, sowie Konsumenten von Missbrauchsabbildungen (Schulz et al. 2017b, Stolpmann et al. 2017). Die PsM macht es sich zum Ziel, die persönlichen Stärken der Patienten auszubauen, die Selbstakzeptanz und Lebenszufriedenheit zu steigern und die Erarbeitung von Selbstkontrollstrategien zu fördern um damit zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexuellen Übergriffen beizutragen. Die Behandlung ist für die Patienten kostenfrei und erfolgt unter Wahrung der Schweigepflicht. Um eine gute therapeutische Zusammenarbeit zu gewährleisten, sollte eine möglichst hohe Eigenmotivation für die Therapie vorhanden sein. Therapieauflagen im Kontext einschlägiger Verurteilungen können durch eine Teilnahme nicht abgedeckt werden. Gegenwärtig wird das Therapieprogramm evaluiert. Finanziert wird die PsM über das Land Niedersachsen, die UMG sowie das Asklepios Fachklinikum in Göttingen.

Publikationen zu diesem Projekt

Wild TSN, Müller I, Fromberger P, Jordan K, Klein L, Müller JL. Prevention of Sexual Child Abuse: Preliminary Results From an Outpatient Therapy Program. Front. Psychiatry 2020; 11:88. doi:10.3389/fpsyt.2020.00088

Wild TSN, Fromberger P, Jordan K, Müller I, Müller JL. Web-Based Health Services in Forensic Psychiatry: A Review of the Use of the Internet in the Treatment of Child Sexual Abusers and Child Sexual Exploitation Material Offenders. Front. Psychiatry 2019; 9:79. doi:10.3389/fpsyt.2018.00763.

Schulz, T., Hofter, Corinna, & Müller, Jürgen. (2017a). Prävention sexuellen Missbrauchs: Therapiemanual zur Arbeit mit (potenziellen) Tätern (1. Auflage). Weinheim, Basel: Beltz. Schulz, T., Palmer, S., Stolpmann, G., Wernicke, M., & Müller, J. L. (2017b). Presenting a treatment concept for people with a self-reported sexual interest in children in an outpatient setting. Open Journal of Psychiatry, 7(01), 1-17.

Stolpmann, G., Kahnt, N., Müller, I., Palmer, S., Wernicke, M., Wulf, V., . . . Müller, J. L. (2017). Diagnostik und Behandlung sexueller Missbrauchstäter: Im Maßregelvollzug nach § 63 StGB und in der Präventionsambulanz [Diagnostics and treatment of sex offenders: In psychiatric forensic committment according to § 63 StGB and in outpatient prevention]. Der Nervenarzt, 88(5), 472–479. https://doi.org/10.1007/s00115-017-0313-3

 

5. Forschungsprojekt: @myTabu - Therapeuten-gestützte Online-Intervention für entlassene Kindesmissbrauchstäter

Team

Ziele / Hintergrund

Sexueller Kindesmissbrauch stellt eins der schädlichsten Ereignisse für Kinder dar. Behandlungsprogramme für Kindesmissbrauchstäter sind in der Lage, das Risiko, wieder straffällig zu werden, signifikant zu reduzieren. Präventionsprojekte für noch nicht straffällig gewordene Kindesmissbrauchstäter und Kinderpornographie-Konsumenten sind mittlerweile deutschlandweit verfügbar, Behandlungsprogramme für bereits straffällig gewordene Täter stellen dagegen eine Versorgungslücke dar. Dies ist alarmierend, da die meisten Rückfälle durch bereits straffällige Täter kurz nach der Entlassung aus dem Gefängnis oder der Unterbringung erfolgen. Die Bewährungshilfe und Führungsaufsicht ist nachweislich effektiv bei der Reduzierung von Rückfällen, dies ist aber nur mit einem hohen finanziellen und personellen Aufwand möglich. Online Interventionen bieten hier eine kosteneffiziente Alternative und können problemlos in ländlichen Gegenden angewandt werden (Wild et al, 2019). @myTabu zielt darauf ab, weltweit erstmalig eine Online Intervention für entlassene Kindesmissbrauchstäter während der Bewährungshilfe und Führungsaufsicht zu entwickeln. Zudem wird eine Online Risikoeinschätzung evaluiert und integriert, die es Behandlern erlaubt, das Rückfallrisiko wiederholt und effizient zu erfassen. @myTabu stellt weiterhin Informationen zum wirtschaftlichen Nutzen sowie zur Effektivität der Online Intervention bereit. Die Effektivität sowie der wirtschaftliche Nutzen der Online Intervention werden in zwei Bundesländern (Niedersachsen und Baden-Württemberg) innerhalb einer randomisierten, placebo-kontrollierten klinischen Studie evaluiert. Im Rahmen des vom BMBF geförderten Verbundprojektes (FKZ: 01KR1807A) zeigt sich die UMG verantwortlich für die Gesamtkoordination, die Entwicklung der Online-Intervention und die Durchführung der klinischen Studie.

Publikationen zu diesem Projekt

Fromberger, P., Schröder, S., Bauer, L., Siegel, B., Tozdan, S., Briken, P., Buntrock, C., Etzler, S., Rettenberger, M., Leha, A., & Müller, J.L. (submitted). @myTabu - A placebo controlled randomized trial of a guided web-based intervention for child sexual abusers and child sexual exploitation material offenders.

Kooperationen

 

6. Forschungsprojekt: ViRAC – Virtual Environments for the Risk Assessment of Child Abusers

Team

Ziele / Hintergrund

Lockerungsmaßnahmen wie unbegleitete Ausgänge bei im Maßregelvollzug untergebrachten Kindesmissbrauchstätern werden grundsätzlich erst nach einer aktuellen Risikoeinschätzung der Gefährdung des Probanden hinsichtlich erneuter Straftaten möglich. Besonders auf frühen Lockerungsstufen und bei Entscheidungen über erste unbegleitete Ausgänge zu Beginn der Maßregeltherapie ergibt sich hier ein Dilemma für den Kliniker: einerseits steigt die Zuverlässigkeit der prognostischen Einschätzung mit der Anzahl beobachtbarer Verhaltensweisen des Patienten in potentiellen Risikosituationen, andererseits besteht auf hohen Sicherheitsstufen keine Möglichkeit, dieses Verhalten direkt ohne Gefährdung der Öffentlichkeit zu beobachten (Fromberger et al., 2018). Bis jetzt gibt es noch keine klinisch anwendbare Lösung für dieses Dilemma. An dieser Stelle sind neue Technologien auf Basis virtueller Realitäten von Interesse:  der Einsatz virtueller Umgebungen bietet die Möglichkeit, das Verhalten von Kindesmissbrauchstätern in alltäglichen Risikosituationen direkt und ohne Gefährdung der Öffentlichkeit zu beobachten und so den aktuellen Gefährdungsgrad des Patienten realistisch und valide einzuschätzen (Fromberger et al., 2014; 2015). ViRAC entwickelt daher eine virtuelle, realitätsnahe alltägliche Risikosituation für Kindesmissbrauchstäter und schafft so eine Möglichkeit, das Verhalten von Patienten in diesen Situationen direkt zu beobachten und zu prognostischen Zwecken einschätzen zu können.

ViRAC wurde vom 01.032013 – 01.08.2015 durch das Forschungsförderungsprogramm der Medizinische Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen (www.med.uni-goettingen.de/de/content/forschung/181.html) gefördert.

Publikationen zu diesem Projekt

Barbe, H., Siegel, B., Müller, J.L. and Fromberger, P. (2020). Welches Potential haben virtuelle Realitäten in der klinischen und forensischen Psychiatrie? Ein Überblick über aktuelle Verfahren und Einsatzmöglichkeiten. Forensische Psychiatrie, Psychologie, Kriminologie, (in print)

Fromberger, P., Jordan, K., and Müller, J.L. (2014a). Anwendung virtueller Realitäten in der forensischen Psychiatrie. Ein neues Paradigma? Nervenarzt, 85(3):298–303. https://doi.org/10.1007/s00115-013-3904-7

Fromberger, P., Meyer, S., Kempf, C., Jordan, K. & Müller, J. L. (2015). Virtual Viewing Time: the relationship between presence and sexual interest. PLoS One, 10, e0127156.

Fromberger, P., Meyer, S., Jordan, K., & Müller, J. L. (2018). Behavioral monitoring of sexual offenders against children in virtual risk situations: A feasibility study. Frontiers in Psychology, 9(MAR). https://doi.org/10.3389/fpsyg.2018.00224 

Abbildungen

Das VR-Labor an der Schwerpunktprofessur für Forensische Psychiatrie
Abb.1: Screenshot der virtuellen Umgebung Abb. 2: Das VR-Labor an der Schwerpunktprofessur für Forensische Psychiatrie

 

7. ViContact - Erstgespräche bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch - Professionalisierung von Lehramtsstudierenden durch Übung in virtuellen Szenen

Team

Ziele / Hintergrund

Lehrkräfte fühlen sich oft unsicher, wenn sie von Schülerinnen und Schülern, die möglicherweise sexualisierte Gewalt erfahren haben, angesprochen werden. Zudem können bei Lehrpersonen im Umgang mit Schülern Verdachtsmomente auf sexuelle Gewalt auftreten, die Anlass für Gespräche sein können. Virtuelle Lernumgebungen können angehenden Lehrkräften helfen, solche Erstgespräche einzuüben. In dem Vorhaben werden prototypische Szenarien aus dem schulischen Kontext (z. B. Pausenhof, Klassenraum) mit virtuellen Charakteren beiderlei Geschlechts für das Grundschulalter entwickelt und umgesetzt. Die Erprobung des Trainings und die Evaluation seiner Wirksamkeit erfolgt in vier Vergleichsgruppen mit Studierenden aller Lehrämter der Europa-Universität Flensburg. Darüber hinaus werden mit aussagepsychologisch tätigen Sachverständigen und thematisch arbeitenden Kinder- und Jugendpsychologen sowie Strafrichtern Kriterien zur Gesprächsführung und -dokumentation erarbeitet. Das virtuelle Training soll nach erfolgreicher Evaluation für die Aus-, Weiter- und Fortbildung von Lehrkräften zunächst an der Europa-Universität Flensburg zur Verfügung gestellt und Hochschulen als prototypisches Lehr- und Lernmaterial zugänglich gemacht werden. Darüber hinaus ist der Einsatz der Ergebnisse in der Aus- und Fortbildung anderer Berufsgruppen (z. B. Polizistinnen und Polizisten, Ärztinnen und Ärzte, Psychologinnen und Psychologen) im Themenfeld sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche vorstellbar. Erstmals soll auch ein Leitfaden für die Gesprächsführung und -dokumentation in Erstgesprächen zum sexuellen Missbrauch im pädagogischen Kontext entstehen.

Bei dem durch das BMBF geförderten Verbundvorhaben ist die UMG verantwortlich für das Teilvorhaben VR Entwicklung und Evaluation (FKZ 01SR1703C).

Publikationen zu diesem Projekt

Barbe, H., Siegel, B., Müller, J.L. and Fromberger, P. (2020). Welches Potential haben virtuelle Realitäten in der klinischen und forensischen Psychiatrie? Ein Überblick über aktuelle Verfahren und Einsatzmöglichkeiten. Forensische Psychiatrie, Psychologie, Kriminologie (in print)

Kooperationen zu diesem Projekt

 

8. I can’t look away -  Aufmerksamkeitskontrolle und deviantes sexuelles Interesse

Leiter

Ziele / Hintergrund

Sexueller Kindesmissbrauch stellt einer der schwerwiegendsten Ereignisse für die gesunde Entwicklung eines Kindes dar. 2017 verzeichnete die polizeiliche Kriminalstatistik insgesamt 8.881 Tatverdächtigte wg. sexuellem Kindesmissbrauch und 5.669 Tatverdächtigte wg. Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung kinderpornografischer Schriften (Bundeskriminalamt, Polizeiliche Kriminalstatistik Jahrbuch 2017). 25-40% der Straffälligen erfüllen die Kriterien einer pädophilen Störung. Deviante sexuelle Interessen, wie sie die pädophile Störung umfasst, stellen einen der stärksten Prädiktoren für einschlägige Deliktrückfälle dar. Zur Diagnostik eines devianten sexuellen Interesses ist es aufgrund von bewussten oder auch unbewussten Verfälschungstendenzen notwendig, Instrumente einzusetzen, die das sexuelle Interesse unabhängig von der subjektiven Aussage des Probanden erfassen. Auch wenn es bereits seit einigen Jahren verschiedene Forschungsansätze dazu gibt, existiert bis heute kein klinisch anwendbares, valides und reliables Instrument zur Erfassung sexuellen Interesses.

Eine Möglichkeit der differenzierteren und von Selbstauskünften unabhängigen Erfassung sexueller Orientierung stellen Aufmerksamkeitsprozesse dar, die wiederum über Blickbewegungen abbildbar sind. Bisherige Forschungsansätze haben u.a. gezeigt, dass Probanden des Maßregelvollzuges mit einer Pädophilie, eine beeinträchtigte Aufmerksamkeitskontrolle in Bezug auf sexuelle Reize aufweisen (Jordan et al. 2016b). Patienten der Göttinger Ambulanz zur Prävention sexuellen Missbrauchs (PsM) berichten im therapeutischen Kontext häufig, in Alltagssituationen von kindlichen/jugendlichen Reizen (z. B. im Supermarkt oder Bus) abgelenkt zu werden. Andererseits ist bekannt, dass die Fähigkeit zur Selbstregulation auch einer der wichtigen Risikofaktoren für eine Deliktrückfälligkeit ist. Bis heute werden allerdings Fähigkeiten der (sexuellen) Selbstregulation v.a. mittels Selbst- und Fremdberichten erfasst.

Daher wird in diesem Forschungsprojekt mit zwei verschiedenen Ansätzen daran gearbeitet, valide und reliable Instrumente zur Erfassung von sexuellem Interesse und von Aufmerksamkeitskontrolle unabhängig von der subjektiven Aussage des Probanden zu entwickeln. Diese sollen sowohl zur Unterstützung der Diagnostik als auch der Therapieevaluation eingesetzt werden. 

Publikationen zu diesem Projekt

Jordan, K., Fromberger, P., Müller, I., Wernicke, M., Stolpmann, G., & Müller, J. L. (2018). Sexual interest and sexual self-control in men with self-reported sexual interest in children – A first eye tracking study. Journal of Psychiatric Research, 96, 138–144. https://doi.org/10.1016/j.jpsychires.2017.10.004

Jordan, K., Fromberger, P., Herder, J. von, Steinkrauss, H., Nemetschek, R., Witzel, J., & Müller, J. L. (2016a). Can We Measure Sexual Interest in Pedophiles Using a Sexual Distractor Task? Journal of Forensic Psychology, 1(2). https://doi.org/10.4172/JFPY.1000109

Jordan, K., Fromberger, P., Herder, J. von, Steinkrauss, H., Nemetschek, R., Witzel, J., & Müller, J. L. (2016b). Impaired Attentional Control in Pedophiles in a Sexual Distractor Task. Frontiers in Psychiatry, 7, 193. https://doi.org/10.3389/fpsyt.2016.00193

Fromberger, P., Jordan, K., Steinkrauss, H., Herder, J. von, Stolpmann, G., Kröner-Herwig, B., & Müller, J. L. (2013). Eye movements in pedophiles: Automatic and controlled attentional processes while viewing prepubescent stimuli. Journal of Abnormal Psychology, 122(2), 587–599. https://doi.org/10.1037/a0030659

Fromberger, P., Jordan, K., Steinkrauss, H., Herder, J. von, Witzel, J., Stolpmann, G., . . . Müller, J. L. (2012). Diagnostic Accuracy of Eye Movements in Assessing Pedophilia. The Journal of Sexual Medicine, 9(7), 1868–1882. https://doi.org/10.1111/j.1743-6109.2012.02754.x

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Abbildungen

Anhand von Augenbewegungen ist es möglich, genaue Einblicke in die Aufmerksamkeits-zuweisung des Menschen beim Betrachten von Reizen zu erlangen.

 

9. Forschungsprojekt: Neurobiologie forensisch relevanter Störungen

Team

Ziele / Hintergrund

Die neurostrukturellen und -funktionellen Grundlagen eines (devianten) sexuellen Interesses sind sowohl in der Grundlagen- als auch in der klinisch angewandten Forschung von Interesse. Insbesondere in der forensischen Psychiatrie ist es notwendig, experimentelle Ansätze zu nutzen, die potentiell robust sind gegenüber Manipulation. Dies wird mit zwei unterschiedlichen Ansätzen untersucht. Eigene Forschungsergebnisse zeigen, dass es möglich ist, mittels einer sexuellen Distraktoraufgabe sexuelles Interesse bei gesunden heterosexuellen Probanden abzubilden (Jordan et al. 2018b). Weitere Ergebnisse deuten darauf hin, dass dies auch mittels der subliminalen Darbietung sexuell präferierter und sexuell nicht-präferierter Reize möglich ist (Wernicke et al. 2017). In weiteren Projekten werden beide Ansätze optimiert, und bzgl. ihres Einsatzes bei Patienten überprüft.
Bisherige Forschungsergebnisse zu hirnstrukturellen Veränderungen bei Kindesmissbrauchstätern sind noch sehr heterogen. Dies liegt u.a. daran, dass die untersuchten Gruppen oft selbst sehr heterogen und schlecht vergleichbar sind. In einem Kooperationsprojekt mit dem Mind Research Network (MRN) Albuquerque werden hirnstrukturelle Auffälligkeiten bei verschiedenen gut definierten Probandengruppen.

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Jordan K, Wild TSN, Fromberger P, Müller I, Müller JL. Are there any biomarkers for pedophilia and sexual child abuse? – A review. Front. Psychiatry 2020; 10:940. doi:10.3389/fpsyt.2019.00940.

Jordan, K., Wieser, K., Methfessel, I., Fromberger, P., Dechent, P., & Müller, J. L. (2018b). Sex attracts - neural correlates of sexual preference under cognitive demand. Brain Imaging and Behavior, 12(1), 109–126. https://doi.org/10.1007/s11682-016-9669-4

Wernicke, M., Hofter, C., Jordan, K., Fromberger, P., Dechent, P., & Müller, J. L. (2017). Neural correlates of subliminally presented visual sexual stimuli. Consciousness and Cognition, 49, 35–52. https://doi.org/10.1016/j.concog.2016.12.011

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English version

 

Current projects

1. Approaches to reform of commitment in a forensic psychiatric facility according to §64 StGB

Prof. Dr. Jürgen L. Müller

Aim / Background

The legal measures of the ‘Maßregelgesetz’ (part of the German criminal code) have been fundamentally reformed in recent years: Now, as the last of the inpatient measures, the placement in a detoxification centre according to § 64 StGB is also facing a far-reaching process of change. And with good reason:
The number of patients who are placed in a rehabilitation facility based on § 64 StGB has risen considerably in recent years and continues to rise. Between 1990 and 2014, the number of patients quadrupled from 1000 to 4000. At present, about 4500 patients are confined on the basis of § 64 StGB.  A likewise growing number of patients cannot successfully complete treatment. Established by the Federal Constitutional Court in 1994 and included in the legal text in 2007, the measure under § 64 StGB may only be mandated if there is a sufficiently concrete prospect of success. The expectation associated with this has not been fulfilled. Nationwide, every second treatment (30 to 70 percent) is terminated, despite all legal discussions advised by experts about the prospects of success in the courtroom.  Patients who have had their therapy terminated because there is no hope of success represent a special risk clientele: They not only have an unfavourable prospect of abstinence, but also of legal probation. The majority of these patients will commit new offences within two years. Suitable treatment concepts are lacking.

However, placement in a rehability facility is by no means only a disadvantage: The patients who successfully complete the therapy benefit from the treatment in the long term and are significantly less likely to relapse into drug abuse and commit criminal acts. For these patients, confinement in accordance with § 64 StGB is superior to other forms of care. 

Against this background, there is predominantly agreement on the need for change, but the specific structure of the reform is controversial. Those patients who successfully complete the therapy benefit from the treatment in the long term. Those whose treatment has been terminated because there is no hope of success form a poorly cared for risk clientele. Alternative treatment options could improve care.

Publications

Müller, J.L. & Koller, M., Hrsg. (2020)   Reformansätze zur Unterbringung nach § 64 StGB. Der zweischneidige Erfolg der Unterbringung in einer Entziehungsanstalt, in: Forensische Psychiatrie im Dialog. Interdisziplinäre Impulse für Wissenschaft und Praxis. Hrsg. v. Koller,   Matthias / Müller, Jürgen L. / Nowara, Sabine / Spaniol, Margret

Müller, J.L.  (2019) Ansätze zur Reform der Unterbringung in einer Entziehungsanstalt, Forens Psychiatr Psychol Kriminol https://doi.org/10.1007/s11757-019-00542-7

Müller, J. L., Saimeh, N., Briken, P., Eucker, S., Hoffmann, K., Koller, M., ... Zeidler, R. (2018).  Standards für die Behandlung im Maßregelvollzug nach §§ 63 und 64 StGB. Forensische Psychiatrie, Psychologie, Kriminologie, 12(2), 93–125. https://doi.org/10.1007/s11757-017-0445-0 

 

2. Consequences of the reform of commitment in a forensic psychiatric facility according to paragraph 63 StGB

Prof. Dr. Jürgen L. Müller

Aim / Background

In 2016, the reform concerning the confinement in psychiatric hospitals in accordance with § 63 StGB came into effect. As a consequence, the continuation of confinement is tied to the expected danger. In addition, the frequency of external assessments was significantly increased. The consequences of these and other legal impulses on treatment and confinement are discussed.

Publications

Müller, J., Saimeh, N., & Briken, P. (2018). Standards für die Behandlung im Maßregelvollzug nach §§ 63 und 64 StGB: Interdisziplinäre Task-Force der DGPPN. Berlin: Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft.

Müller, J. L., Saimeh, N., Briken, P., Eucker, S., Hoffmann, K., Koller, M., . . . Zeidler, R. (2017). Standards für die Behandlung im Maßregelvollzug nach §§ 63 und 64 StGB. Der Nervenarzt, 88(1), 1–29. https://doi.org/10.1007/s00115-017-0382-3

Müller, J. L., Saimeh, N., Briken, P., Eucker, S., Hoffmann, K., Koller, M., . . . Zeidler, R. (2018). Standards für die Behandlung im Maßregelvollzug nach §§ 63 und 64 StGB. Forensische Psychiatrie, Psychologie, Kriminologie, 12(2), 93–125. https://doi.org/10.1007/s11757-017-0445-0

 

3. Quality standards of forensic psychiatric assessment

Prof. Dr. Jürgen L. Müller

Aim / Background

The importance of psychiatric assessment in both civil and criminal proceedings has increased significantly over the last years. Quality standards are determined and the implementation of available standards is checked. For this purpose, an interdisciplinary task force was formed to revise the minimum requirements for assessments of the prognosis.

Publications

Müller J. L., & Saimeh, N. (2018). Die Mindestanforderungen für Prognosegutachten: Herausforderungen an und Gründe für ein Update. Recht & Psychiatrie, 36(3), 145–149.

 

4. Prevention of Sexual Abuse (PsM)

Team

Aim / Background

Since July 2011, the outpatient therapy project “Prevention of Sexual Abuse” (PsM) provides low-threshold therapeutic services for persons with a self-reported sexual interest in children and/or adolescents. It addresses both men and women who do not want to act on their preference, as well as consumers of sexual exploitation material of minors (Schulz et al. 2017b; Stolpmann et al. 2017; Wild et al., 2020). The PsM aims to encourage the personal strengths of the patients, to increase self-acceptance and life satisfaction, to decrease dynamic risk factors associated with recidivism and to promote the development of self-control strategies in order to contribute to the protection of children and adolescents from sexual assault. Treatment participation is free of charge and is subject to the obligation of confidentiality. Inclusion criteria are intrinsic motivation, willingness to change, and a high self-reported degree of psychological strain. Offenders with probation conditions can commence treatment, however, these probation conditions cannot be met by participating in the program. The therapy program is currently being evaluated and results are published regularly.
The treatment program is funded by the State Government of Lower Saxony, the Human Medical Center Göttingen and Asklepios Psychiatric Clinic Göttingen.

Publications

Wild TSN, Müller I, Fromberger P, Jordan K, Klein L, Müller JL. Prevention of Sexual Child Abuse: Preliminary Results From an Outpatient Therapy Program. Front. Psychiatry 2020; 11:88. doi:10.3389/fpsyt.2020.00088

Wild TSN, Fromberger P, Jordan K, Müller I, Müller JL. Web-Based Health Services in Forensic Psychiatry: A Review of the Use of the Internet in the Treatment of Child Sexual Abusers and Child Sexual Exploitation Material Offenders. Front. Psychiatry 2019; 9:79. doi:10.3389/fpsyt.2018.00763.

Schulz, T., Hofter, Corinna, & Müller, Jürgen. (2017a). Prävention sexuellen Missbrauchs: Therapiemanual zur Arbeit mit (potenziellen) Tätern (1. Auflage). Weinheim, Basel: Beltz. Schulz, T., Palmer, S., Stolpmann, G., Wernicke, M., & Müller, J. L. (2017b). Presenting a treatment concept for people with a self-reported sexual interest in children in an outpatient setting. Open Journal of Psychiatry, 7(01), 1-17.

Stolpmann, G., Kahnt, N., Müller, I., Palmer, S., Wernicke, M., Wulf, V., . . . Müller, J. L. (2017). Diagnostik und Behandlung sexueller Missbrauchstäter: Im Maßregelvollzug nach § 63 StGB und in der Präventionsambulanz [Diagnostics and treatment of sex offenders: In psychiatric forensic committment according to § 63 StGB and in outpatient prevention]. Der Nervenarzt, 88(5), 472–479. https://doi.org/10.1007/s00115-017-0313-3

 

5. @myTabu - Therapist-supported online intervention for dismissed child abusers

Team

Aim/ Background

Sexual abuse is one of the most harmful experiences for children. Treatment programs for sexual abusers of children are able to significantly reduce the risk of reoffending. Prevention projects for child sexual abuse offenders and child pornography consumers who have not yet been convicted of a criminal offense are now available throughout Germany, while treatment programs for convicted offenders are scarce. This is alarming, since most relapses occur shortly after release from prison or confinement. Community supervision is evidently effective in reducing recidivism, but this is only possible with a high level of financial investment and a large work force. Online interventions offer a cost-efficient alternative and can be easily applied in rural areas (Wild et al., 2019). @myTabu aims to develop the world's first online intervention for convicted child abusers under community supervision. In addition, an online risk assessment will be evaluated and integrated, which will allow practitioners to repeatedly and efficiently assess the risk of recidivism. @myTabu also provides information about the economic benefits and effectiveness of the online intervention. The effectiveness as well as the economic benefit of the online intervention are evaluated in two German states (Lower Saxony and Baden-Württemberg) in a randomized, placebo-controlled clinical study. Within the context of the BMBF-funded collaborative project (FKZ: 01KR1807A), the UMG is responsible for the overall coordination of the project, the development of the online intervention and the execution of the clinical study.

Publications

Fromberger, P., Schröder, S., Bauer, L., Siegel, B., Tozdan, S., Briken, P., Buntrock, C., Etzler, S., Rettenberger, M., Leha, A., & Müller, J.L. (submitted). @myTabu - A placebo controlled randomized trial of a guided web-based intervention for child sexual abusers and child sexual exploitation material offenders.

Cooperations

 

6.ViRAC - Virtual Environments for the Risk Assessment of Child Abusers

Team

Aim / Background

The decision on whether to grant unsupervised privileges to sexual offenders against children (SOC) is one of the most difficult decisions for practitioners in forensic high-security hospitals. Considering the possible consequences of this decision for society, a valid and reliable risk management of SOCs is essential. Some risk management approaches provide frameworks for the construction of relevant future risk situations. Due to ethical reasons, it is not possible to evaluate the validity of constructed risk situations in reality. The aim of the study was to test whether behavioral monitoring of SOCs in high-immersive virtual risk situations provides additional information for risk management. Six SOCs and seven non-offender controls (NOC) walked through three virtual risk situations, which confronted the participant with a virtual child character. The participant had to choose between predefined answers representing approach or avoidance behavior. The frequency of chosen answers was analyzed with respect to knowledge of the participants’ coping skills and the coping skills that were focused on during therapy. SOCs’ and NOCs’ behavior differed only in one risk scenario. Furthermore, in 89% of all cases, SOCs showed a behavior that did not correspond to their own belief about adequate behavior in comparable risk situations. In 62% of all cases, SOCs did not behave in accordance with the coping skills that they reported their therapists to have focused on during therapy. In 50% of all cases, SOCs behaved in accordance with coping skills that the therapists reported to have focused on during therapy. Therapists incorrectly predicted the behavior of SOCs in virtual risk situations in 25% of all cases. Thus, virtual risk scenarios provide the possibility for practitioners to monitor the behavior of SOCs and to test their decisions on unsupervised privileges without endangering the community. This may provide additional information for therapy progress. Further studies are necessary to evaluate the predictive and ecological validity of behavioral monitoring in virtual risk situations for real life situations.

ViRAC was funded from 01.03.2013 – 01.08.2015 by the Research Promotion Programme of the Medical Faculty of the Georg-August-Universität Göttingen (www.med.uni-goettingen.de/de/ content/forschung /181.html).

Publications

Barbe, H., Siegel, B., Müller, J.L. and Fromberger, P. (2020). Welches Potential haben virtuelle Realitäten in der klinischen und forensischen Psychiatrie? Ein Überblick über aktuelle Verfahren und Einsatzmöglichkeiten. Forensische Psychiatrie, Psychologie, Kriminologie, (in print)

Fromberger, P., Jordan, K., and Müller, J.L. (2014a). Anwendung virtueller Realitäten in der forensischen Psychiatrie. Ein neues Paradigma? Nervenarzt, 85(3):298–303. https://doi.org/10.1007/s00115-013-3904-7

Fromberger, P., Meyer, S., Kempf, C., Jordan, K. & Müller, J. L. (2015). Virtual Viewing Time: the relationship between presence and sexual interest. PLoS One, 10, e0127156.

Fromberger, P., Meyer, S., Jordan, K., & Müller, J. L. (2018). Behavioral monitoring of sexual offenders against children in virtual risk situations: A feasibility study. Frontiers in Psychology, 9(MAR). https://doi.org/10.3389/fpsyg.2018.00224 

Figures

Fig.1: Screenshot of the virtual environment Fig.2: The VR Lab at the Chair of Forensic Psychiatry

 

7. ViContact - Initial interviews in cases of suspected sexual abuse - Professionalization of education students via practice in virtual scenes

Team

Aim/Background

Teachers often feel insecure when they are approached by students who may have experienced sexualised violence. Virtual learning environments can help future teachers to practice such initial conversations. This project will develop and implement a prototypical scenario from the school context (classroom) with virtual child characters of primary school age and of both sexes. During the training, participants can practice their questioning style with eight visually and biographically different children using natural language. The assessment of the training and the evaluation of its effectiveness will be carried out in four comparison groups with education students at the Europe-University Flensburg. In addition, criteria for conducting and documenting interviews will be developed with experts in the field of testimonial psychology and child and youth psychologists as well as criminal judges. After successful evaluation, the virtual training is to be made available for initial and further training of teachers, initially at the Europe-University Flensburg, as well as being  made available as prototypical teaching and learning material to universities. In addition, it is possible that the results will be used in the training of groups from other professions (e.g. police officers, doctors, psychologists) working in the field of sexualised violence against children and adolescents.

In the BMBF-funded joint project, UMG is responsible for the sub-project VR development and evaluation (FKZ 01SR1703C).

Publications

Barbe, H., Siegel, B., Müller, J.L. and Fromberger, P. (2020). Welches Potential haben virtuelle Realitäten in der klinischen und forensischen Psychiatrie? Ein Überblick über aktuelle Verfahren und Einsatzmöglichkeiten. Forensische Psychiatrie, Psychologie, Kriminologie (in print)

Cooperations

 

8. I can't look away - Attention control and deviant sexual interest

Team

Aim / Background

Sexual abuse is an event with one of the most severe impacts on the healthy development of a child. In 2017, police crime statistics recorded a total of 8,881 suspects for child sexual abuse and 5,669 suspects for the distribution, acquisition, possession and production of child pornography. 25-40% of offenders meet the criteria of a paedophilic disorder. Deviant sexual interests, as encompassed by the paedophilic disorder, are one of the strongest predictors of recidivism. Due to conscious or unconscious tendencies to falsify the results, it is necessary to use instruments that record the sexual interest independently of the subject's statement in order to assess deviant sexual interest. Even though various research approaches have been available for several years, there is still no clinically applicable, valid and reliable instrument for recording sexual interest. One way of recording sexual orientation in a more differentiated manner and independently of self-statements is to use attention processes, which in turn can be displayed by eye movements. Previous research approaches have shown that paedophilic forensic inpatients show impaired attention control with regard to sexual stimuli (Jordan et al. 2016b). In a therapeutic context, patients of the outpatient therapy project “Prevention of Sexual Abuse” (PsM) often report being distracted by child/adolescent stimuli in everyday situations (e.g. in the supermarket or on the bus). On the other hand, it is known that the ability for self-regulation is also one of the important risk factors for recidivism. To date, however, the ability of (sexual) self-regulation has been recorded mainly by self- and external reports.

This research project therefore uses two different approaches to develop reliable and valid instruments for recording sexual interest and attention control independent of the subjective statement of the test person. These instruments are to be used to support both diagnostics and therapy evaluation. 

Publications

Jordan, K., Fromberger, P., Müller, I., Wernicke, M., Stolpmann, G., & Müller, J. L. (2018). Sexual interest and sexual self-control in men with self-reported sexual interest in children – A first eye tracking study. Journal of Psychiatric Research, 96, 138–144. https://doi.org/10.1016/j.jpsychires.2017.10.004

Jordan, K., Fromberger, P., Herder, J. von, Steinkrauss, H., Nemetschek, R., Witzel, J., & Müller, J. L. (2016a). Can We Measure Sexual Interest in Pedophiles Using a Sexual Distractor Task? Journal of Forensic Psychology, 1(2). https://doi.org/10.4172/JFPY.1000109

Jordan, K., Fromberger, P., Herder, J. von, Steinkrauss, H., Nemetschek, R., Witzel, J., & Müller, J. L. (2016b). Impaired Attentional Control in Pedophiles in a Sexual Distractor Task. Frontiers in Psychiatry, 7, 193. https://doi.org/10.3389/fpsyt.2016.00193

Fromberger, P., Jordan, K., Steinkrauss, H., Herder, J. von, Stolpmann, G., Kröner-Herwig, B., & Müller, J. L. (2013). Eye movements in pedophiles: Automatic and controlled attentional processes while viewing prepubescent stimuli. Journal of Abnormal Psychology, 122(2), 587–599. https://doi.org/10.1037/a0030659

Fromberger, P., Jordan, K., Steinkrauss, H., Herder, J. von, Witzel, J., Stolpmann, G., . . . Müller, J. L. (2012). Diagnostic Accuracy of Eye Movements in Assessing Pedophilia. The Journal of Sexual Medicine, 9(7), 1868–1882. https://doi.org/10.1111/j.1743-6109.2012.02754.x

Cooperations

Figures

Analysing eye movements it is possible to analyse attentional processes while watching stimuli.

 

9. Neurobiology of forensically relevant disorders

Team

Aim / Background

The neurostructural and functional bases of (deviant) sexual interest are of interest in both fundamental and clinically applied research. Particularly in forensic psychiatry, it is necessary to use experimental approaches that are robust against potential manipulation. This is investigated with two different approaches. Own research results show that it is possible to map sexual interest in healthy heterosexual subjects using a sexual distractor task (Jordan et al. 2018b). Further results indicate that this is also possible by the subliminal presentation of sexually preferred and sexually non-preferred stimuli (Wernicke et al. 2017). In future projects, both approaches will be optimized and tested with regard to their use in patients.

Previous research results on structural changes in the brain of child abusers are still very heterogeneous. One reason for this is that the groups studied are often very heterogeneous and difficult to compare. In a cooperative project with the Mind Research Network (MRN) Albuquerque, structural brain abnormalities are being investigated in various well-defined groups of test persons.

Publications

Jordan K, Wild TSN, Fromberger P, Müller I, Müller JL. Are there any biomarkers for pedophilia and sexual child abuse? – A review. Front. Psychiatry 2020; 10:940. doi:10.3389/fpsyt.2019.00940

Jordan, K., Wieser, K., Methfessel, I., Fromberger, P., Dechent, P., & Müller, J. L. (2018b). Sex attracts - neural correlates of sexual preference under cognitive demand. Brain Imaging and Behavior, 12(1), 109–126. https://doi.org/10.1007/s11682-016-9669-4

Wernicke, M., Hofter, C., Jordan, K., Fromberger, P., Dechent, P., & Müller, J. L. (2017). Neural correlates of subliminally presented visual sexual stimuli. Consciousness and Cognition, 49, 35–52. https://doi.org/10.1016/j.concog.2016.12.011

Cooperation

Ansprechpartner

Leitung

Müller
Prof. Dr. Jürgen Müller
W2-Professur
Telefon:
+49 (0)551 402-2102
E-Mail:
ju.mueller@asklepios.com
PubMed:
Publikationen (Google Scholar)

Externe Zuordnung

  • Chefarzt der Asklepios Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie

Mitarbeiter/innen

Mitarbeiter sind bei ihren jeweiligen Forschungsprojekten aufgeführt
Weitere Informationen / Links