Ambulanz für Autismus im Erwachsenenalter

[English version see below]

Angeboten als Kooperationsinitiative der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin (Direktor: Prof. Dr. Jens Wiltfang) und der Klinischen Abteilung für Neurowissenschaften des Max-Planck-Instituts für Experimentelle Medizin (Leitung: Prof. Dr. Dr. Hannelore Ehrenreich)

 

Wie äußert sich Autismus bei Erwachsenen?

Menschen mit Autismus leiden an Problemen in der sozialen Interaktion und der zwischenmenschlichen Kommunikation. Sie haben Spezialinteressen und zeigen stereotype Verhaltensmuster.

Normalerweise wird die Diagnose im Kleinkindalter gestellt. In einigen wenigen Fällen bleiben Betroffene jedoch bis ins Erwachsenenalter ‚unentdeckt’, da sie ihre Schwierigkeiten gut kompensieren können oder in ein beschützendes soziales Netzwerk eingebettet sind.

Bislang gibt es keine medizinischen Verfahren zur Absicherung der Diagnose, da wir in unserem Verständnis der biologischen Ursachen von Autismus noch am Anfang stehen.

Die Diagnostik bei Erwachsenen ist sehr schwierig, da sich hinter dem Begriff Autismus eine Vielzahl von Symptomen verbergen, deren Abgrenzung zu anderen psychiatrischen Erkrankungen problematisch ist, wenn keine verlässlichen Informationen aus der Kindheit verfügbar sind. Vielen Betroffenen und Angehörigen ist es häufig nicht bewusst, dass es außer Autismus viele andere Erklärungen für Schwierigkeiten in Umgang mit anderen Menschen gibt (z.B. Auffälligkeiten in der Persönlichkeit oder eine ausgeprägte soziale Ängstlichkeit). Diese alternativen Erklärungen müssen zunächst ausgeschlossen werden, damit die Diagnose Autismus gestellt werden kann. Eine fundierte Autismusdiagnostik im Erwachsenenalter erfordert ein hohes Maß an Expertise und beinhaltet eine Verhaltensbeobachtung und eine sorgfältige Entwicklungsanamnese. Da häufig den Patienten selbst viele relevante Details aus der frühen Kindheit nicht erinnerlich sind, werden nach Möglichkeit Angehörige (in den meisten Fällen die Eltern) gebeten, mit zur Untersuchung zu kommen

Was wird während der Autismusdiagnostik gemacht?

Wie lange dauert die Autismusdiagnostik?

Sie sollten für eine vollständige Autismusdiagnostik insgesamt ca. fünf bis sechs Stunden einplanen. Selbstverständlich lässt sich die gesamte Diagnostik in mehrere Einzeltermine aufteilen. In der Regel findet zunächst ein kurzer telefonischer oder persönlicher Kontakt mit Herrn Dr. Begemann statt, um einige Formalitäten zu klären. Die konkrete Gestaltung des Ablaufes versuchen wir, so gut wie möglich, an die Bedürfnisse und Belastbarkeit der Betroffenen anzupassen.

Bitte um gleichzeitige Teilnahme an einem wichtigen Autismus-Forschungsprojekt

Die Erblichkeit von Autismus ist sehr hoch. Jedoch sind nur in wenigen Fällen Auffälligkeiten in einem Gen (sogenannte Mutationen) für die Erkrankung verantwortlich (weniger als 20%). Die Klinische Abteilung für Neurowissenschaften des Max-Planck-Instituts für Experimentelle Medizin unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Dr. Hannelore Ehrenreich geht davon aus, dass bei den allermeisten Autisten ganz normale genetische Variationen in verschiedenen Genen einfach nur unglücklich zusammentreffen. Neurobiologische Befunde legen nahe, dass vor allem Gene eine Rolle spielen, welche an der Signalübertragung zwischen Nervenzellen beteiligt sind, sogenannte synaptische Gene. Um diese Forschungsfragen in Zusammenarbeit mit den Kollegen der UMG um Herrn Prof. Dr. Jens Wiltfang zu beantworten, sind wir auf eine Studienteilnahme von Betroffenen mit einer Autismus-Diagnose angewiesen. Zusätzlich zu den Untersuchungen, die ohnehin Bestandteil der geschilderten Autismusdiagnostik sind, beinhaltet die Studienteilnahme lediglich eine Blutabnahme zur Untersuchung auf bestimmte genetische Marker. Eine genaue Aufklärung dazu erhalten Sie bei Ihrer Vorstellung in der Ambulanz.

Terminvereinbarung

Zentrale Vergabe ambulanter Termine durch die Psychiatrische Institutsambulanz unter Tel. 0551-39-4777

oder direkt bei Herrn Privatdozent Dr. med. Martin Begemann (Kontakt siehe unten).

Sitz der Autismus-Ambulanz

Universitätsmedizin Göttingen, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Von-Siebold-Straße 5, 37075 Göttingen

oder

Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin, Klinische Neurowissenschaften
Hermann-Rein-Str. 3, 37075 Göttingen

 

English version:

Outpatient facility specialized in diagnostics of autism spectrum disorder in adults

A collaboration of The Department of Psychiatry and Psychotherapy of the University Medical Center Göttingen (Head: Prof. Dr. Jens Wiltfang) and the Department of Clinical Neuroscience at the Max Planck Institute of Experimental Medicine (Head: Prof. Dr. Dr. Hannelore Ehrenreich)

 

Understanding the biological basis of autism spectrum disorder

Autism spectrum disorders (ASD) are early onset neuropsychiatric conditions characterized by impaired social communication, restricted interests, repetitive behaviors and sensory processing abnormalities. To date, the causes of ASD are not fully understood. Twin and adoption studies support an important role of genetic factors in the emergence of autistic symptoms. However, in less than 25% of the patients diagnosed with ASD, large changes in one gene (i.e. mutations) are sufficient to cause the syndrome. Dr. Martin Begemann, Hanna Wolf, and Jan Seidel, Scientists in Clinical Neuroscience at the Max Planck Institute of Experimental Medicine under the leadership of Prof. Hannelore Ehrenreich, hypothesize that most individuals with ASD carry an unfortunate combination of normal genetic variants in many different genes. Especially genes regulating the transmission of information between neurons (so-called synaptic genes) seem to play an important role in ASD. In collaboration with Prof. Jens Wiltfang of the University Medical Center Göttingen, this team of scientists investigates whether unfortunate combinations of common genetic variants in synaptic genes modulate the severity of autistic symptoms. Therefore, German speaking individuals diagnosed with ASD, willing to participate in this study, are currently recruited.

 

Ansprechpartner

Wer führt die Untersuchungen in der Ambulanz durch?

Begemann
Privatdozent Dr. med. Martin Begemann
Arzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie
Mobil:
0151/72710792
E-Mail:
begemann@em.mpg.de

Psychiatrische Klinik der UMG und Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin

Seidel
Jan Seidel
Diplom-Psychologe

Autismusdiagnostik und Studiendurchführung
Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin