150 Jahre Universitätspsychiatrie Göttingen

1866 wurde mit Ludwig Meyer der erste Ordinarius für Psychiatrie an die Georg-August-Universität berufen. Göttingen war nach der Charité Berlin und der LMU München damit die dritte Universitätspsychiatrie in Deutschland.

Der klinische Betrieb fand viele Jahre in den Gebäuden des jetzigen Asklepios Fachklinikums am Rosdorfer Weg in Göttingen statt, nach einer kurzen Zeit in der Geiststraße nun seit 61 Jahren in der Klinik in der von-Siebold-Straße 5.

Auf dem Symposium am 26. und 27.05. 2016 anlässlich dieses Jubiläums wurde auf 150 Jahre universitäre Psychiatrie in Göttingen zurückgeschaut und die Zukunft der Psychiatrie und Psychotherapie thematisiert.

Eine Veranstaltung der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der UMG und der Asklepios Psychiatrie Niedersachsen.

 

Auszug: "150 Jahre Universitätspsychiatrie in Göttingen" 
Beiträge zum Jubiläumssymposium

Titel

Vorwort
Dirk Wedekind

Als Ludwig Mayer im Jahr 1866 sein Ordinariat in Göttingen übernahm und die ersten Patienten in der neu gebauten Klinik am heutigen Rosdorfer Weg behandelte, repräsentierte er zwar nach der Charité in Berlin und der Ludwig Maximilians Universität in München lediglich die dritte universitäre Psychiatrie in Deutschland, jedoch die erste, die tatsächlich Patienten behandeln konnte. An der Nußbaumstrasse und am Charitéplatz wurde noch gebaut. Es sollte zwar noch knapp 30 Jahre dauern, bis die Psychiatrie in Göttingen in das Prüfungscurriculum der Medizinstudenten integriert wurde aber Sie war damit wichtiger Bestandteil der Fakultät, in der Mayer mehrfach Dekan werden sollte.

Manfred Koller beschreibt in seinem Beitrag anschaulich die Anfänge der Psychiatrie in Göttingen mit den Standorten Rosdorfer Weg und später auch in der Geiststrasse und in Tiefenbrunn. Die klinischen und auch wissenschaftlichen Entwicklungen unter den folgenden Direktoraten geben Einblicke in den Kontexten der Zeit und insbesondere während des Nationalsozialismus.  

Während Manfred Koller die Entwicklung in der 1955  von der Universität abgetrennten Landesklinik weiterverfolgt gibt Eckart Rüther, Direktor der Universitätspsychiatrie zwischen  1987 und 2006 in seinem Beitrag einen Eindruck von den neurobiologische wissenschaftlichen Bestrebungen am Standort von-Siebold Strasse ausgehend von den Überlegungen Ewalds bis hin zur Vernetzung mit Kooperationspartner unter seinem Direktorat.

Iris Hauth war 2014-2016 Präsidentin der DGPPN. Ihr Bericht führt die Inhalte ihres Festvortrags vom Auftaktabend des Symposiums aus und schildert den aktuellen Zustand der Versorgungssituation und Strukturen psychisch Kranker in Deutschland, die Verbesserungen der Zeit seit der Enquète und die zukünftigen Herausforderungen.

Mit Heinz Häfner referierte einer den einflussreichsten Psychiater der letzten Jahrzehnte zum Thema der Psychiatrie-Enquète , der selbst wesentlich gestaltend hieran beteiligt war. Sein beeindruckender Beitrag ist ein Erfahrungsbericht mit anschaulichen Fakten zur Situation der Deutschen Psychiatrie um diese Zeit.

Joachim-Ernst Mayer war fast ein Vierteljahrhundert Ordinarius und unter seiner Leitung ergaben sich weitreichender Veränderungen der Klinik in der von-Siebold-Strasse, neben der Abtrennung der Neurologie auch die Etablierung der Kinder-und Jugendpsychiatrie wie auch der Psychosomatik und Psychotherapie. Hans Lauter stellt als Weggefährte Mayers, selbst Enkel der ersten Ordinarius Ludwig Mayer, dessen Schaffen und die sichtbaren Parallelen zum Werk des Großvaters dar.

Mit Andreas Spengler und Siegfried Neuenhausen hörten die Besucher des zweiten Symposiumstag einen beeindruckenden Vortrag, der erste Referent Psychiater und ehemaliger Direktor der Landesklinik in Wunstorf und kulturell vielseitig interessiert und begabt, der andere angesehener Experte für Kunsthistorie. Die Lebensgeschichte und das Schaffen von Julius Klingebiel, der in seiner Zeit im „festen Haus“ der Göttinger Landesklinik mit der „Klingebielzelle“ ein vielbeachtetes und wichtiges Kunstwerk schuf, wurde aus psychiatrischer und künstlerischer Perspektive erläutert und im vorliegenden Manuskript durch ausgewählte Bilder des Vortrags ergänzt.

Die Schizophrenieforschung ist ein Schwerpunkt des wissenschaftlichen Werks von Peter Falkai, Direktor der Universitätspsychiatrie zwischen 2006 und 2012 vor seinem Ruf an die Ludwig Maximilians Universität München. In seinem Beitrag gibt er, unter Beteiligung seiner engen Mitarbeiter Alkomiet Hasan und Andrea Schmitt eine anschauliche Übersicht über pathogenetische Mechanismen bei den Schizophrenien unter besonderer Berücksichtigung neuroplastischer Vorgänge als therapeutische Perspektive.

Zum Ende des vorliegenden Bandes finden sich Abdrucke der Grußworte des Festaktes vom 26. Mai 2016 und einige fotographische Impressionen der Tagung. Die Liste der Grußredner spricht für sich und ist ein bemerkenswerter Anhalt für den Stellenwert der Psychiatrie in Göttingen, seiner  Universität und darüber hinaus.

 

Göttingen, im August 2018

Prof. Dr. med. Dirk Wedekind             Prof. Dr. med. Carsten Spitzer               Prof. Dr. med. Jens Wiltfang

 

erhältlich bei: Vandenhoeck & Ruprecht, 2019, ISBN: 978-3-8471-0901-3

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